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Ansprache Seiner Majestät des Königs der Belgier beim Staatsbankett Ihrer Königlichen Hoheiten, des Großherzogs und der Großherzogin von Luxemburg

15 Oktober 2019

Altesses Royales,
Lieber Henri, Liebe María Teresa,

Mathilde und ich danken Ihnen von ganzem Herzen für die zahlreichen Aufmerksamkeiten, die wir seit unserer Ankunft heute Mittag erfahren haben und für Ihre bewegenden Worte. Der warmherzige Empfang, den Luxemburg uns bereitet, lässt nicht nur uns, sondern auch unsere gesamte Delegation an ein großes Familientreffen denken.

Erlauben Sie mir zunächst, mit unserem Wiedersehen die Erinnerung an Großherzog Jean zu verbinden, der vor kaum sechs Monaten von uns ging, und an Großherzogin Joséphine-Charlotte, die ältere Schwester meines Vaters. Der Geist unseres Besuchs ist durchdrungen von ihrer Geschichte und allem, was sie uns hinterließen. An diesem 75. Jahrestag der Befreiung denke ich insbesondere an die Teilnahme von Großherzog Jean, der als junger Prinz im Exil beschloss, sich als Freiwilliger der britischen Armee anzuschließen.

Lieber Henri, jetzt ist es schon fast 20 Jahre her, dass du die Aufgaben als Staatsoberhaupt von deinem Vater übernommen hast. Während all dieser Jahre hast du stets dein Bestes für deine Landsleute gegeben. Geradlinig, aufrichtig und mit Klasse. Mit einer besonderen Hinwendung für alle, die dir begegnen. 

Seit über tausend Jahren sind die Gebiete Luxemburgs und Belgiens Teil derselben großen politischen Gebilde. Im 11. Jahrhundert aus dem Königreich Lotharingien entstanden, knüpfte die Grafschaft, später das Herzogtum Luxemburg im Laufe der Zeit zahllose Verbindungen mit den belgischen Fürstentümern. Mehr als vier Jahrhunderte lang waren unsere Gebiete gemeinsam Teil der Burgundischen, Spanischen und Österreichischen Niederlande. Dieser Wunsch, unsere Kräfte zu bündeln und gleichzeitig unsere Souveränität zu wahren, veranlasste uns, nach den tiefen Wunden der Weltkriege die Benelux-Union und später die Europäische Union zu gründen.

Ein gemeinsames Merkmal von Luxemburgern und Belgiern ist, dass sie am Schnittpunkt der romanischen und der germanischen Kultur liegen und hieraus große Vorteile ziehen. Die großherzogliche Familie ist ein wunderbares Beispiel für diese vielfältige Zugehörigkeit. Dank seiner tiefen Verwurzelung in unserer Region wurden dem Haus Nassau im 16. Jahrhundert die Statthalterschaft über die Niederlande und im 19. Jahrhundert die Krone des Großherzogtums Luxemburg anvertraut. Ihre Abstammung vom Hause Bourbon verbindet Sie im Übrigen auch fest mit der lateinischen Kultur. Und mit Prinzessin Stéphanie, deren Familie die Niederlande im 15. Jahrhundert regierte, hat sich wiederum Ihre belgische Verankerung verstärkt. Diese Zugehörigkeit zu mehreren Kulturen, die für uns alle hier seit Jahrhunderten charakteristisch ist, macht unsere Region zum neuralgischen Zentrum der Europäischen Union. Sie erleichtert es unseren Vertretern, Standpunkte zu vereinen und daher die höchsten europäischen Ämter zu bekleiden.

Wie bereits in der Vergangenheit stellt das Großherzogtum auch heute eine beeindruckende strategische Vision unter Beweis. Die Fee Melusine führt unermüdlich ihr belebendes Werk fort. Unser Besuch ermöglicht es uns, die Ihnen eigene Dynamik besser zu verstehen und unsere Zusammenarbeit in Spitzenbereichen wie der grünen Wirtschaft, dem Bankensektor, dem digitalen Bereich, der Raumfahrt und im audiovisuellen Bereich zu verstärken. Wenn wir wollen, dass unsere Unternehmen richtungsweisend sind und nationale oder internationale Spitzenpositionen behalten oder erreichen, sollten wir großes Interesse daran haben, Konvergenzen zu schaffen, die ihnen helfen, innovativ zu sein und sich in der Welt zu profilieren.

Wir stehen am Beginn einer neuen Legislaturperiode in Europa. In unseren beiden Ländern haben neue Regierungen ihr Amt angetreten oder werden es demnächst tun. Bei den Wahlen im vergangenen Jahr haben die Wähler ihre Prioritäten, darunter nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und soziale Gerechtigkeit, deutlich gemacht. 

Luxemburg und Belgien teilen die Überzeugung, dass Europa den europäischen Bürgern bereits zahlreiche Fortschritte ermöglicht hat. Nun ist es an der Zeit, dem Projekt Europa neues Leben einzuhauchen und neue mobilisierende Ambitionen für die europäische Jugend zu ermitteln, wie die Raumfahrt oder das Europäische Solidaritätskorps, das jungen Menschen die Möglichkeit bietet, sich an Solidaritätsprojekten innerhalb und außerhalb der Europäischen Union zu beteiligen.

Unsere Institutionen brauchen den erneuerten Enthusiasmus der Bürger. Vertrauen kann nur durch besondere Beziehungen zwischen Menschen wachsen, tagtäglich, spontan und über Institutionen, deren eigentliches Ziel dies ist. Dazu soll unser Besuch beitragen. Indem wir die engen Bindungen, die uns einen, und die uralte Freundschaft zwischen Luxemburgern und Belgiern hervorheben, beleben wir diesen offenen und konstruktiven Geist, der eine vielversprechende Zukunft für unsere Bürger sichern wird. In dieser festen Überzeugung bitte ich Sie, sich zu einem Toast zu erheben.

Meine Damen, meine Herren,

Bitte erheben Sie mit mir das Glas auf die Gesundheit von Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa.