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Rede Seiner Majestät dem König der Belgier beim Mittagessen von Ministerpräsident Reiner Haseloff in Sachsen-Anhalt anlässlich des offiziellen Besuchs in Thüringen und Sachsen-Anhalt in Deutschland

10 Juli 2019

Herr Ministerpräsident,

ich danke Ihnen für Ihre freundlichen Worte und die herzliche Begrüßung, die die Königin und ich seit unserer Ankunft heute Morgen in Sachsen-Anhalt erlebt haben.

Es ist uns eine große Freude, unseren Besuch in Ihrem Land hier in Lutherstadt Wittenberg zu beginnen. Der Beitrag des Gelehrten Martin Luther zur europäischen Geschichte und Kultur kann nicht genug geschätzt werden. Unsere europäischen Gesellschaften brauchen heute wieder Erneuerung und Sinngebung. Deutschland und insbesondere Ihre Region sind ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Kulturen und Religionen.

Wie gestern in Thüringen ist es mir und den Belgiern wichtig, an die historischen Bindungen zu Ihrem Land zu erinnern. Sachsen-Anhalt, genauer gesagt Wettin, ist die Wiege meiner Familie. Unser Vorfahr Theoderich I. war vor tausend Jahren der Ursprung der Linie der Grafen von Wettin, die später Herzöge von Sachsen werden sollten. Das Wappen Ihres Landes trägt, wie mein Wappen, mit Stolz die Farben des alten Herzogtums Sachsen. Die Beziehungen zwischen unseren Völkern sind ebenfalls Jahrhunderte alt. Das bezeugt das Gebiet des Fläming rund um Wittenberg, in das im 12. Jahrhundert viele Flamen geflohen sind.

Dieser Besuch steht natürlich auch im Zeichen der kulturellen Bindungen zwischen unseren Ländern. Deutsch ist eine der drei offiziellen Landessprachen in Belgien. Die Kenntnis der jeweils anderen Sprache erfüllt eine Brückenfunktion und ist immer eine Quelle der persönlichen Bereicherung. Dabei denken wir an ein gutes Beispiel für diesen gegenseitigen Austausch in unserer jüngsten Vergangenheit. Dessau feiert das 100-jährige Bestehen des Bauhauses, einer künstlerischen Bewegung, dessen Vorläufer der belgische Architekt und Künstler Henry van de Velde war. Die Königin und ich freuen uns daher, heute Nachmittag das Bauhaus-Institut von Walter Gropius und die Meisterhäuser besuchen zu können.

Mit unserem Besuch möchten wir auch die wirtschaftlichen Bindungen unterstreichen. Besonderes Augenmerk legen wir auf die wirtschaftliche Umstellung nach der Wende und die damit verbundenen Herausforderungen und Chancen. Der Chemiestandort Infraleuna, den wir heute Nachmittag besuchen werden, zeigt, wie entschlossenes Management und eine langfristige Vision beste Chancen für eine florierende Wirtschaft und die damit verbundene sozioökonomische Entwicklung bieten.

Herr Ministerpräsident,

Sehr geehrte Damen und Herren,

Zwischen den Hauptstädten Deutschlands und Belgiens finden ständige und erfolgreiche Konsultationen zu bilateralen, europäischen und globalen Fragen statt. Diese Gespräche beruhen auf noch viel breiteren Freundschaftsbeziehungen. Die Länder in Deutschland und die Regionen und Gemeinschaften in Belgien sind ein wesentlicher Bestandteil der Vielfalt und des Wohlstands unserer Länder. Zusammen bilden sie unsere einzigartige regionale, nationale und europäische Identität.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich bitte Sie alle aufzustehen (...). Ich lade Sie ein, Ihr Glas auf die Gesundheit von Ministerpräsident Reiner Haseloff und Frau Gabriele Eckelt-Haseloff zu erheben.